Rahel Dudli

Wie sieht eine konkrete Beratung aus?

Die Entwicklungspsychologische Beratung verknüpft die bindungstheoretisch begründete Förderung des feinfühligen elterlichen Verhaltens mit der spezifischen Vermittlung von Ausdrucks-, Belastungs- und Bewältigungsverhaltensweisen von Säuglingen und Kleinkindern.

In allen Phasen der Beratung steht das Kind im Mittelpunkt. Die Eltern erfahren etwas über die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern und beobachten die Fähigkeiten und Stärken ihres Kindes. Die Lebenssituation, die Wünsche und Befindlichkeiten der Eltern werden im Sinne einer Passung auf die Perspektive des Kindes bezogen. Die Eltern werden in ihrer Elternrolle bestärkt indem ihre Wünsche wahr und ernst genommen werden.

Sehen

Ausgangspunkt für die EPB ist eine sehr genaue und sorgfältige Beobachtung von alltäglichen und alterstypischen Eltern-Kind-Interaktionen. Dazu wird eine kurze Videoaufnahme zu Hause oder im institutionellen Kontext erstellt. Für die Auswahl der Videoszenen können je nach Beratungsanlass bestimmte Situationen wie etwa Wickeln, Spielen oder Füttern des Babys vereinbart werden.

Verstehen

Grundlage für das Beratungsgespräch ist vorab eine genaue Videoanalyse der Beraterin ohne die Eltern. Im Feedbackgespräch mit den Eltern wird dann zunächst eine gelungene Interaktionssequenz mit den Eltern gemeinsam angeschaut. Hierbei werden Stärken und Ressourcen der Eltern und des Kindes fokussiert. In einem weiteren Schritt erfolgt die Sichtung einer noch nicht gelungenen Interaktionsszene. Missverständnisse oder gar das Misslingen einer entwicklungsanregenden Interaktion zwischen dem Kind und den Eltern können dadurch beeinflusst sein, dass es den Eltern schwer fällt, sich die Perspektive des Kindes vorzustellen.

Handeln

Bei diesem Abschnitt der Beratung stehen die Eltern im Mittelpunkt. Ressourcenorientiert werden gemeinsam mit den Eltern kleine, konkrete und alltagstaugliche Beobachtungs- und Handlungsaufgaben entwickelt, die zu Hause umgesetzt werden sollen. In einigen Fällen weisen Schwierigkeiten in der Umsetzung auch auf biographische (traumatische Kindheitserfahrungen) oder gegenwärtige Belastungen (Partnerschaftskonflikte etc.) hin. Sie verhindern häufig, dass Eltern in ausreichend emotionalen Kontakt zu ihrem Kind kommen und ihre intuitiven Kompetenzen sowie ihre Feinfühligkeit eingeschränkt sind.